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Entreicherungseinrede

Entreicherungseinrede: Rechtssicher handeln bei Wegfall der Bereicherung

Was bedeutet der Wegfall der Bereicherung?

Wer eine Leistung ohne rechtlichen Grund erhalten hat, muss diese grundsätzlich zurückgeben (§ 812 BGB). Dagegen gibt es die Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB. Die Bereicherung muss dafür endgültig und unfreiwillig entfallen sein – zum Beispiel durch Verbrauch für den Lebensunterhalt, Untergang oder Weitergabe ohne Gegenleistung. Entscheidend ist, dass die Mittel unwiederbringlich verwendet wurden, und auch ohne den rechtsgrundlos zugeflossenen Betrag ausgegeben worden wären.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Entreicherung ist, dass das Erlangte nicht für Sonderausgaben genutzt wurde, die nur aufgrund des ohne Rechtsgrund Erlangten getätigt worden sind (siehe BGH, Urteil vom 27.10.2016, XI ZR 160/14). Wer z. B. Geld für Luxusausgaben verwendet, kann sich auf die Einrede nicht berufen. Notwendige Kosten des täglichen Lebens (wie Miete, Lebensmittel und Energie) werden meist anerkannt, soweit der durch die Ersparnis aufgetretene Vermögensvorteil nicht mehr gegeben ist.

Darlegungs- und Beweislast: Was muss für die Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB vorgelegt werden?

Der Schuldner, der sich auf die  Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB beruft, trägt die volle Darlegungs- und Beweislast für den Wegfall der Bereicherung. Es ist zwingend erforderlich, detailliert darzulegen und zu beweisen, wofür das Erlangte verwendet wurde und dass keine bleibenden Vermögensvorteile erlangt worden sind (siehe BGH, Urteil vom 27.10.2016, XI ZR 160/14). Pauschale Behauptungen genügen nicht – nur konkrete Nachweise und Belege wie Kontoauszüge, Quittungen und eine akribische Aufstellung der Ausgaben verschaffen Rechtssicherheit.

Typische Schwierigkeiten bei der Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB

  • Nachweisproblematik: Es ist oft schwer, den genauen Verbrauch des Geldes oder Werts zu dokumentieren. Ohne lückenlose Belege ist der Nachweis meist nicht möglich.
  • Abgrenzung der Ausgaben: Die strikte Trennung zwischen notwendigen Lebenshaltungskosten und freiwilligen Ausgaben ist essentiell, um die Einrede erfolgreich geltend machen zu können.

Fallbeispiel: Irrtümliche Überweisung und erfolgreiche Entreicherung

Angenommen, Person A überweist versehentlich 10.000 Euro an Person B. Nach Aufdeckung des Irrtums fordert A das Geld zurück. B kann sich auf die Einrede der Entreicherung berufen, wenn nachgewiesen wird, dass der Betrag für Miete, Reparaturen und Lebenshaltungskosten verwendet wurde. Für tatsächlich verbrauchte Beträge zum Lebensunterhalt greift die Einrede; für Restguthaben oder freiwillige Ausgaben bleibt die Rückzahlungspflicht bestehen. Maßgeblich ist, dass B alle Ausgaben durch Belege wie Kontoauszüge und Quittungen nachweisen kann.

Praxis-Tipps für die erfolgreiche  Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB

  • Dokumentation: Sämtliche Ausgaben sollten akribisch belegt werden – insbesondere durch Kontoauszüge, Quittungen und detaillierte Aufstellungen.
  • Unterscheidung der Ausgaben: Trennen Sie konsequent notwendige Lebenshaltungskosten von freiwilligen Ausgaben, um den Anspruch rechtssicher darzustellen.
  • Fachkundige Beratung: Bei Unsicherheiten empfiehlt sich rechtzeitiger juristischer Beistand, um Risiken und Fehler zu vermeiden.

Bösgläubigkeit gemäß § 819 BGB: Wissen ist entscheidend

Auf die Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB kann sich nicht berufen, wer bösgläubig ist, § 819 BGB. Das Gesetz stellt allein auf das Wissen des Empfängers ab: Wer die fehlende Berechtigung bei Erhalt oder später kennt, kann sich nicht auf die Entreicherung berufen. Es genügt also die positive Kenntnis; grobe Fahrlässigkeit reicht nicht aus. Die Kenntnis führt zur Haftung für den Wegfall der Bereicherung, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch.

Fazit

Die Einrede der Entreicherung nach § 818 Abs. 3 BGB ist nur unter strengen Voraussetzungen möglich. Gründliche Dokumentation, klare Abgrenzung der Ausgaben und die Berücksichtigung des eigenen Wissens über die Berechtigung sind entscheidend für eine erfolgreiche Verteidigung. Rechtzeitige Beratung kann helfen, Fehler zu vermeiden und Ansprüche abzuwehren.